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Ägypten; Arm trifft Reich – Begegnungsmodell für Spanien und andere EU Staaten?

 

Seit zwei Wochen protestiert das Volk in Ägypten gegen den Diktator Mubarak. Der Druck auf den 82-Jährigen nahm zuletzt so zu, dieser sich jetzt schrittweise zurückzuziehen scheint.

In Ägypten, wie auch in vielen der mehr als 20 Mittelmeer Anrainer Staaten, ist die Schere zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren immer mehr auseinander gegangen.

Es scheint als hätten sich die Ägypter ein Beispiel an Tunesien genommen. Hier hatte es Mitte Januar Massenproteste gegeben. Tausende forderten mehr Arbeitsplätze und bessere Lebensbedingungen. Immerhin sind dort rund 30 % der jungen Leute arbeitslos. Das Volk stand auf, um gegen Korruption, Zensur und Klickenwirtschaft im Dunstkreis des diktatorischen Präsidenten Ben Ali zu protestieren. Mit Erfolg: am 14. Januar 2011 verließ Ben Ali fluchtartig das Land in Richtung Saudi Arabien. 

Unklar ist bisher wohin Mubarak sich wenden wird. Zunächst wird er wohl damit beschäftigt sein, sein  „Privatvermögen“ von rund 40 Milliarden US Dollar in Sicherheit zu bringen.

Nach der Griechenland Pleite und dem Ende vom irländischen Höhenflug, gesponsert by EU, bleibt abzuwarten wo es als nächstes zum Knall kommt.

Eine hohe Arbeitslosigkeit mit allen Negativeffekten im sozialen Bereich hat  zum Beispiel auch Spanien. Hier liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei konstant über 20%, auf den Kanarischen Inseln oder auch in Jerez de la Frontiera sind es sogar mehr als 30%. Die Jugendarbeitslosigkeit ist prozentual noch wesentlich höher. Bis zu 60% bei der Jugend ohne Schulabschluss.

Zwar ist das politische System demokratisch, aber die Wirtschaft des Landes leidet unter anderem unter der permanenten Korruptionsanfälligkeit seiner Politiker. Es vergeht kein Tag, an dem die spanischen Zeitungen nicht über neue Korruptionsfälle berichten.

 Auch im mafiageschädigten Italien könnte sich die Lage schnell zuspitzen, dort sind rund 25% der jungen Leute arbeitslos und über Berlusconi und seine self- made- Medien „Politik“ kann man ja eigentlich sowieso nur lachen. Obwohl, da kann einem schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben zum Beispiel nach seiner allerneuesten Äußerung auf dem EU-Gipfel in Brüssel. Unverblümt sagte er Mubarak sei „überall im Westen, vor allem in den Vereinigten Staaten, als weiser und vernünftiger Mann anerkannt".

Griechenland ist ohnehin seit Monaten von gewaltsamen Protestaktionen geschüttelt. Nicht zu vergessen Portugal mit mehr als 10% Arbeitslosen und einer unzufriedenen Bevölkerung.

Zurzeit stellen sich zwei Fragen. Kommt es im Nahen Osten zu weiteren politischen Umbrüchen und kann so etwas auch in der EU um sich greifen?

Beispiel  Syrien, dort ist der Unterschied zwischen Arm und Reich auch sehr groß ist. 
 
Syriens Bruttoinlandsprodukt ist mit etwas mehr als 2500 USD pro Einwohner trotz Ölförderung erschreckend gering. Zum Vergleich: in Deutschland erwirtschaftet jeder Einwohner pro Jahr nominal mehr als 40 000 USD. Auch in Syrien könnte sich das Volk früher oder später gegen seine Ausbeuter erheben. 

Auch in Frankreich, Spanien und nicht zuletzt Deutschland, in dem sich die Zahl der minderverdienenden Leiharbeiter auf mehr als 12% der gesamten Arbeitnehmerschaft hochgeschaukelt hat, hätten die Massen Grund sich gegen die Auswüchse einer freien Markwirtschaft zu wehren, in der es wenige Gewinner und Millionen von Verlierern gibt. 

Diese Erkenntnis mag westliche Politiker, wie gerade auf der Sicherheitskonferenz in München propagiert, dazu bewegt haben Mubarak verbal zu stützen. Man sehe keinen Übergang in ein befriedetes demokratisches Ägypten ohne Mubaraks Mitwirkung.

Ein Signal an alle die an Protest denken?  Demonstrieren ja, aber bitte nicht an den kapitalistischen Strukturen rütteln.

Ein Kommentar für “Ägypten; Arm trifft Reich – Begegnungsmodell für Spanien und andere EU Staaten?”

  1. Der Protest aus Tunesien hat die anderen Unterprivilegierten angesteckt, zu Recht. Es wird Zeit, dass die Massen, die nicht genug Arbeit oder eben keine gerecht bezahlte Arbeit haben aufhoeren sich zu ducken und aufstehen, um ihre Rechte einzufordern. Dabei spielt es eigentliche gar keine Rolle ob es um die Aegypter, die Jordanier, die Syrer oder um Europaer der vemeintlich ersten Welt handelt. Solange es auch in Europa Putzfrauen, Frisoerinnen, Sicherheitsleute oder Fabrik- und Zeitarbeiter gibt, die fuer weniger als acht Euro in der Stunde arbeiten hat die Gerechtigkeit Nachholbedarf. Egal ob die erwirtschafteten Gewinne an die Familie Mubarak, Ben Ali oder an die Europaeischen Grosskonzerne gehen, der Effekt ist der gleiche: die arbeitende Bevoelkerung hat zum grossen Teil nicht genug Geld in der Tasche, um vernuenftig zu leben.
    Einige Wenige sind superreich und die anderen haben das Nachsehen. Allerdings koennen sie sich ja, um die Sache auf die Spitze zu treiben, diese ihnen fremde Welt im Fernsehen bestaunen. Die Boulevardsender werden nicht muede sie im Rahmen von Sendungen wie „die Superreichen“ zu hofieren. Ein Witz wie ich finde. Besser passender Titel: „Die Superdoofen“.
    Und wer es guckt ist ebenfalls bloed.  

     
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