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Massenproteste in Spanien – die Medien schweigen

 

Tausende Spanier haben seit Sonntag in mehr als 60 Städten gegen die bestehende Politik ihrer Regierung protestiert. Dabei kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Aktivisten und der Polizei.  Die Medien in Deutschland und zum Teil auch in Spanien aber haben über die Aktionen kaum berichtet. In Deutschland waren die Neuigkeiten hauptsächlich per twitter verbreitet worden. Selbst die ARD und NTV, die beide über Korrespondenten in Spanien verfügen, thematisierten die Proteste am Montag nicht. Am Dienstag fand sich dann endlich ein längerer Artikel in der spanischen Zeitung El Pais.

Ein weltweiter Aufruf im Internet war den Protesten vorausgegangen. Unter anderen hatte die Bewegung „Democracia Real Ya“( Demokratie jetzt) dazu aufgerufen. Die Organisation hatte sich vor rund drei Monaten ebenfalls im Internet gegründet. Hauptkritik der Aktivisten ist: sie fühlen sich von der Politik nicht vertreten. Die Unmutsbekundungen richten sich aber auch gegen die Bankensanierung, die Macht der Großkonzerne und die Arbeitslosigkeit, die in Spanien mit mehr als 21 % EU-weit am höchsten ist.

Die Polizei hat am Dienstag (17.05.2011) im Morgengrauen eine friedliche Blockade der Protestierer an der Puerta del Sol in Madrid mit Hilfe der Policia Nacional geräumt. Dabei wurde ein Demonstrant festgenommen und ein Polizist verletzt. Auch über dieses Ereignis wurde wenig berichtet.

Doch warum? Will hier wohl eine der von der Opposition so gehassten Großindustrien, bzw. ihre Lobby,  die gerade beginnende Tourismussaison schützen? In Tunesien und Ägypten wurde ja auch erst demonstriert, das fanden wir in Europa toll, und dann fuhren wir aber lieber erst mal woanders hin, denn jetzt ist es ja leider zu gefährlich dort.

Oder hatte man mit den Themen Griechenland, dem Sexskandal und dem BVB Meisterschaftssieg am Wochenende einfach genug zu berichten? So nach dem Motto: was sind schon Tausende demonstrierender Spanier gegen den Sexskandal eines französischen Politikers mit dem klangvollen Namen Dominique Strauss Kahn, der noch dazu Sarkozy ablösen wollte? Oder gegen einen proletarisch geprägten Ruhrgebietsverein, der deutscher Meister wird, in einer Gegend, in der an die 20% der Menschen keine Arbeit haben. Spanische Verhältnisse also was den Arbeitmarkt angeht.

Und was sind Blockaden in Madrid gegen die Griechenland Doppelpleite, die schließlich am Ende das Portemonnaie des deutschen Verbrauchers betrifft.

Da kann man nur hoffen, dass die Proteste an Heftigkeit noch zunehmen, um so die mediale Öffentlichkeit dazu zu zwingen über die real existierenden Zustände in Spanien zu berichten. Da wäre doch besser als zum einhundertfünzigmillionendsten mal betrunkene Eimertrinker am Ballermann abzulichten, um uns damit zu suggerieren in Spanien sei alles wie immer und damit in Ordnung.

Die aktuellen Beiträge in twitter.com weisen jedenfalls auf eine große Beteiligung und eine gute Organisation der Proteste hin. Auch am Abend des 17. 5. 2011 haben sich wieder zahlreiche Aktivisten an vielen öffentlichen Plätzen zu Protesten verabredet.

Wir sind auf die Reaktion des kritisierten Staates gespannt.

Die Regierenden können sich sicher sein: die Welt guckt zu, wenn auch nur im Internet.

Ein Kommentar für “Massenproteste in Spanien – die Medien schweigen”

  1. Demos im Land der Sonne Spanien. Hätt grade noch gefehlt. Gibt’s nicht, oder doch. Was wollen die denn? Das Land hat Dauerschlussverkauf, fast alles zum halben Preis. Wer obdachlos ist kann eine von einer Million leerstehender Wohnungen besetzen und die Apfelsinen wachsen in Nachbars Garten. Bald ist auch wieder  Touristenauftrieb, dann ist sowieso alles im Fluss.
    Auch Frau Merkel lässt sich von ein paar, wenn auch Tausenden,  Fehlorientierten, vielleicht sogar Radikalen, nicht beeindrucken. Das mit Griechenland und Portugal scheint ja für die nächsten Wochen überstanden.
    Aber bei den rasant gestiegenen Rohstoffpreisen für Papier ist in der Bundesdruckerei schon der Fünfeuroschein nichtmehr Kostendeckend herzustellen.
    Wo soll das enden. Deshalb bitte nicht noch Spanien. Und was soll das mit den Arbeitslosen. Die Diskussion gab es schon in Deutschland.  Gott sei Dank hat man die Arbeitsscheuen aus den Statistiken eliminiert und den Rest in Ein Euro Jobs oder Fortbildungsmaßnahmen  gesteckt.
    Wo ist das Problem in Spanien. Ruck zuck von 21 Prozent  auf acht Prozent. Geht doch, die Jugend weg von der Straße, Reinigungsdienste etc. und halt Ein Euro Salär.
    Hilft der Statistik, den Arbeitslosen und wer reich ist läuft nicht Gefahr arm zu werden.  Der Euro wäre gerettet.

     

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